Erde

Die Erde ist die Grundlage allen Lebens. Sie liefert Baustoffe und Erz, die Erde trägt den Wald, lässt das Wasser fließen und bietet Nahrung. Alle diese Aspekte verkörpern sich in der Stadtgeschichte Waidhofens. An der Schnittstelle von fruchtbarem Mostviertler Bauernland und den Eisenstraßen, auf denen das Eisenerz transportiert wurde, war Waidhofen ein Zentrum des Handels. Dieser Handel wurde abgesichert durch landesfürstliche Privilegien, die einen Drei-Meilen-Bezirk und die Zugriffsrechte auf alle Produkte des Umlandes definierten. Der Wochenmarkt, der bis in die heutige Zeit Treffpunkt der Waidhofner Bevölkerung ist, geht auf diese Zeit zurück. Als Ergebnis dieses Handels entstand sehr früh eine Stadt, die durch soziale Einrichtungen und geplante Erweiterungsschritte einen typisch städtischen Charakter hatte. Die Herrschaft teilten sich der Bischof von Freising als Grundherr über ein großes Herrschaftsgebiet am linksseitigen Ybbsufer und ein bürgerlicher Stadtrat, der seine Privilegien standhaft gegen dessen Interessen verteidigte. Ein Stadtsiegel und das Marktschwert demonstrieren dieses bürgerliche Selbstverständnis.

Die Bedeutung, die dieser Umschlagplatz von Eisen und Proviant hatte, zeigte sich in einer hoch entwickelten bürgerlichen Kultur. Die reichen Bürger der Stadt demonstrierten ihren Wohlstand gegen alle obrigkeitlichen Kleiderordnungen durch die sogenannte Hammerherrentracht, eine gediegene Wohnkultur und reich geschmückte Häuser, die das Gesicht der Stadt noch heute prägen und ihr ihren Charme verleihen.

Der Zyklus der Jahreszeiten prägte das städtische Leben und seinen Festkalender. Der Zyklus des Lebens von der Geburt über die Heirat endete im Tod und kehrte damit wieder zur Erde zurück. Die Erschöpfung der Erde führte zu Kriegen, Hunger und Seuchen. Diese veranschaulicht meisterhaft das berühmte Waidhofner Plagenbild.

Der Reichtum des Erzbergs ging zu Ende und die Eisenwurzen als Proviantregion veränderte ihren Charakter und musste sich in unserer Zeit neu definieren.

©Musealverein Waidhofen an der Ybbs
Text: Stadtarchiv Waidhofen/Ybbs